Terra Anima Blog
Neuigkeiten und Erkenntnisse aus der Kompostwelt
Wissenswertes über Mykorrhiza
Terra Anima – Das Wood-Wide-Web und die Seele der Erde
Es gibt über eine Million Arten von Pilzen auf der Erde, ungefähr sechs mal soviel wie Pflanzenarten und nur etwa 10 % von ihnen sind klassifiziert. So genau weiß man es nicht, da sie von der Wissenschaft in der Vergangenheit ziemlich stiefmütterlich behandelt wurden. Ihre Bedeutung und ihr Nutzen kommen erst seit ein paar Jahren ans Licht. In der Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ vom August 1997 erschien ein Artikel über die Forschungsarbeit von Suzanne Simard zum Thema Mykorrhiza als Titelgeschichte. Ihre Entdeckung wurde hierin erstmalig „Wood-Wide-Web“ genannt. Dr. Suzanne Simard, Jahrgang 1960, ist Professorin für Forstökologie an der University of British Columbia und gilt als weltweit führende Expertin auf dem Gebiet nicht-menschlicher Kommunikation und Intelligenz. Ihr Buch „Die Weisheit der Wälder“ kann ich nur bestens empfehlen! Ich habe es verschlungen.
Wir sprechen hier von einem unglaublichen unterirdischen Pilzgeflecht, das in Symbiose mit fast allen Pflanzen lebt. Gartenpflanzen gehen in der Regel Symbiosen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein. Von ihnen gibt es weltweit nur einige Hundert Arten. Sie sind Generalisten, das heißt, sie können die Wurzeln der meisten Gemüsepflanzen im Garten besiedeln und miteinander verbinden. So zum Beispiel Bohnen, Erbsen, Tomaten, Zwiebeln, Karotten, Auberginen, Kopfsalat, Knoblauch, Kartoffeln, Kürbisse und Mais.
Die meisten Bäume leben in Symbiose mit ektomykorrhizalen Pilzen, von denen es abertausende Arten gibt. Sie sind Spezialisten, die sich nur mit einer Baumart zusammentun oder die über spezielle Fähigkeiten verfügen. So können sie zum Beispiel dem Humus Phosphor entziehen oder Stickstoff aus morschem Holz lösen, andere saugen Wasser aus tieferen Schichten. Es gibt Pilze, die energiehaltige Flüssigkeiten absondern, von denen sich Bakterien ernähren; die wiederum übernehmen andere Aufgaben, wie das Zersetzen von Humus, die Umformung von Stickstoff oder die Bekämpfung von Krankheiten. Diese Ektomykorrhizen sind Ihnen allen bekannt. Sie gehören zur Ordnung der Boletales und Agricales, also der Steinpilzartigen und der Champignonartigen. Alle Speisepilze sind Fruchtkörper dieser Mykorrhizen vom Steinpilz und allen Röhrlingen, über den Champignon bis zum Pfifferling.
Die für uns besonders relevanten Mykorrhizen sind die schon genannten arbuskulären Mykorrhizen. Die geringe Zahl verschiedener Arten von Mykorrhiza bedeutet, dass sie nicht auf wenige ausgewählte Pflanzen spezialisiert, sondern sehr polyvalent sind und jeweils mit über 80 % aller Landpflanzen symbiotische Partnerschaften eingehen können. Die Wurzeln von Bäumen, Sträuchern, Kräutern, Blumen und Gräsern ganz verschiedener Pflanzenfamilien können also von den gleichen Mykorrhizaarten besiedelt und symbiotisch positiv beeinflusst werden.
Ich mische daher in meinen Kompost einen gesunden Mix aus allen pflanzlichen Lebensbereichen und ich kann Ihnen das aufgrund jahrelanger positiver Erfahrungen auch empfehlen. Vom Waldgrün-, Gartengrün- und Gewerbegrünschnitt, so kommen verschiedenste Mykorrhizen auf natürliche Art und Weise in meinem Kompost. In der daraus entstehenden Humuserde befindet sich ein ausgewogener Mix aus verschiedenen Mykorrhizaarten und Bodenlebewesen, sodass sich für Ihre Pflanze immer ein Partner zur Symbiose finden wird. Weiter benötigt der Mykorrhizapilz Mikroorganismen, mit denen er wiederum in Symbiose lebt. In guter Humuserde ist die komplette Bandbreite der Pilze und Mikroorganismen vorhanden. Die Pflanze wird sich genau die heraussuchen, welche sie benötigt, um eine Symbiose einzugehen.
Terra Anima – die Seele der Erde – das sind für mich genau diese lebenden Bestandteile des Bodens.
Bis bald!
Horst Wagner
Zum Foto: Buchcover „Die Weisheit der Wälder“ von Suzanne Simard.
Sehr inspirierend, danke für die Buchempfehlung!
„Ich mische daher in meinen Kompost einen gesunden Mix aus allen pflanzlichen Lebensbereichen und ich kann Ihnen das aufgrund jahrelanger positiver Erfahrungen auch empfehlen. Vom Waldgrün-, Gartengrün- und Gewerbegrünschnitt, so kommen verschiedenste Mykorrhizen auf natürliche Art und Weise in meinem Kompost. In der daraus entstehenden Humuserde befindet sich ein ausgewogener Mix aus verschiedenen Mykorrhizaarten und Bodenlebewesen, sodass sich für Ihre Pflanze immer ein Partner zur Symbiose finden wird.“
Ich denk, die sind im Boden. Wieso sind sie dann im Grünschnitt?? Mich erfreuen auch weiß verklumpte oder durchzogene Bereiche in altem Kompost, hab aber leider keine Ahnung, was das genau ist. Natürlich kommen dort mit den Pflanzenresten auch Wurzeln rein. Außerdem Blätter, Wiesenschnitt, Bokashi, Holzkohle, zerkleinerte Katzenstreu (Bentonit) und Schwachholzhäcksel. Hab das mal untersuchen lassen, der Nährstoffgehalt war da, verglichen mit gutem Boden, ca. 10fach. Übrigens wende ich den Kompost nicht, das ist mir zu anstrengend.
Hallo Frau Pitsch,
das Wenden des Kompostes beschleunigt durch die Luftzufuhr den Rotteprozess. Man kann es aber auch lassen, in der Natur funktioniert die Rotte ohne Wenden seit Jahrmillionen.
Pilze vermehren sich über Sporen und die sind nicht nur im Boden sondern überall, auch in der Luft. Je unterschiedlicher die „Zutaten“ im Kompost sind, desto besser wird die daraus entstehende Humuserde.
Viele Grüße, Horst Wagner
Hallo,es gibt 2 verschiedene Bücher von Suzanne Simard mit dem Titel „Die Weisheit der Wälder“ oder ist der Bucheinband nur verschieden.Kann mir jemand die Frage beantworten.
Viele Grüße,Peter
Hallo Herr Fehre,
es ist das gleiche Buch, nur hat das gebundene Buch einen anderen Einband als das Taschenbuch.
Viele Grüße, Horst Wagner
Zur Förderung des Mykorrhiza-Wurzelgeflechtes, möchte ich auf die demeter-Landwirtschaft hinweisen.
Der Einsatz von Horn-mist Präparaten, ist wie ein Booster für die Mykorrhiza Pilze, so meine eigene Erfahrung.
Ich habe schon in mehr als 12m Entfernung, vom Ausbringungsort des Hornmistes eine Wuchsverbesserung festgestellt, das kann doch dann nur durch Pilzgeflechte im Boden übertragen worden sein. So könnte man Versuche machen die die Hypothese aus ihrem Beitrag stützen.
Viele Grüße
Nikolaus