Terra Anima Blog
Neuigkeiten und Erkenntnisse aus der Kompostwelt
Pappkarton und Papier im Kompost
Pappkarton und Papier als „Geheimtipp?“
„Obwohl ich alle Komposttipps, die ich bei Dir gelernt habe, seit Jahren anwende, ist meine Komposterde nicht so gut wie Deine Terra Anima Humuserde. Gibt es da ein Geheimnis?“
Diese Frage einer langjährigen Freundin habe ich damals verneint, doch nun ist mir ein Unterschied der vielleicht die Ursache sein kann aufgefallen. Papier und Pappe! Seit Jahren entsorge meine Papiertaschentücher und das Küchenkrepp samt Küchenabfällen auf dem Kompost. Auch unbedruckten, braunen und sauberen Karton, z.B. die Papprolle im Küchenkrepp oder vom Toilettenpapier zerreisse ich in kleine Stücke und mische sie in das Kompostiergut. Wellpappe oder Eierpappen mit wenig schwarzer Druckfarbe geht auch. Es ist dabei sehr wichtig diese Pappe oder das Papier stark zu wässern!
Beschichtete Pappe, wie z. B. eine Pizzaschachtel oder die Verpackung von Tiefkühlprodukten, gehört keinesfalls auf den Kompost.
Karton ist gepresstes Pflanzenmaterial, also Stärke, Cellulose und Pflanzenfasern. Und das wird wieder zu Erde. Das zerkleinern mit der Schere oder von Hand vergrößert die Oberfläche und erhöht die Wasserspeicherfähigkeit, macht es luftdurchlässiger und bildet so ein Habitat für Mikroorganismen. Nach 6 bis 8 Monaten ist dieses Material vollständig verrottet und die positiven Eigenschaften verbleiben in der fertigen Humuserde. Lehmige Böden werden durch die Zugabe dieser Erde besser belüftet und sandige Böden verbessern ihre Wasserhaltefähigkeit. Papier und Pappe bilden auch eine zusätzliche Kohlenstoffquelle (das C/N-Verhältnis liegt bei etwa 1000:1).
Zur Praxis: Die zerkleinerten Pappstücke und das Papier wird beim Aufsetzen einfach eingestreut und – wichtig – stark gewässert (mit der Gieskanne). Danach wieder eine Schicht Küchen- oder Gartenbabfälle. Alles mit Maß und Mitte. Bei mir beträgt der Anteil ca. 5 bis max. 10 Vol.% des Kompostierguts.
Ich sammle also keine Pappe, um sie zu kompostieren, sondern verwende nur das, was im Haushalt anfällt. Der Rest wird dem Recycling zugeführt.
Übrigens: Stauden und Ziersträucher, die im Sommer oder Herbst blühen, sind jetzt im Spätherbst mit Komposterde zu versorgen.
Ich wünsche Ihnen/Euch allen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und ein gesundes Neues Jahr!
Horst Wagner
Zum Foto: Der Weihnachtsmann (ich) vor dem Schloss Proschwitz bei Meißen.
Meine Reaktion auf Ihre Kommentare
Vielen Dank für Ihre Kommentare, zu denen ich im Folgenden gesammelt antworten will:
Prinzipiell sind alle organischen Rohstoffe für die Kompostierung und für die Herstellung von stabilen Humusstoffen geeignet. Selbst wenn diese Stoffe durch industrielle Prozesse verändert wurden (z. B. Papier), ist eine Kompostierung und damit Rückführung in den organischen Stoffkreislauf möglich.
Bei einigen Materialien besteht tatsächlich die Gefahr eines Schadstoffeintrages und hier ist in jedem Fall Vorsicht geboten! Hierzu einige Informtionen:
Papierkleber, also Kleister, besteht aus Methylcellulose und Methylcellulose (E461) ist ein pflanzlicher Lebensmittelzusatzstoff, der als Verdickungs-, Emulgier- und Stabilisierungsmittel dient, oft in veganen Fleischalternativen, glutenfreien Backwaren, Eis, Soßen, Dressings und Fertigprodukten, um Textur, Stabilität und ein cremiges Mundgefühl zu verbessern, ohne viele Kalorien zu liefern, und gilt als sicher und unbedenklich für den Verzehr oder die Kompostierung.
Druckerschwärze war früher bleihaltig, hatte also auf dem Kompost nichts zu suchen, aber die Verwendung von Blei in dieser Farbe wurde in der BRD bereits 1983 verboten. Daher sind kleine Mengen dieser Farbe auf Papier (Zeitung) oder Pappe unbedenklich.
Eine Anmerkung zum Recycling von Papier und Pappe: Beschichtetes Material wird aussortiert und verbrannt. Da die sogenannte Thermische Verwertung (Verbrennung) auch als Recycling gewertet wird, kann der Eindruck entstehen alles an Papier und Pappe würde recycelt im Sinne von wiederverwertet.
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine große Gruppe von über 10.000 künstlichen Industriechemikalien, die aufgrund ihrer extremen Stabilität (wasser-, schmutz-, fettabweisend) in vielen Produkten wie Antihaftbeschichtungen, Textilimprägnierungen und Feuerlöschschäumen verwendet werden; sie sind jedoch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt, da sie sich kaum abbauen, sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anreichern und potenziell gesundheitsschädlich sind.
Diese Stoffe gänzlich zu vermeiden scheint mir äußerst schwierig, da sie bereits in Mineralwasser nachgewiesen wurden.
Ich will mit diesen Ausführungen das Thema nicht verharmlosen. Sauberes Ausgangsmaterial ist die Grundlage für gesunden Boden. Wer gewisse Materialien nicht in seinem Kompost haben möchte lässt es einfach weg.
Mehr zu diesem Thema kann man in dem Buch von Gerald Dunst, „Kompostierung und Erdenherstellung“ erfahren.
Die Pappe, die im Haushalt anfällt, ist ja in der Regel auch aus Altpapier hergestellt. Somit sind in dieser Pappe auch PFAS etc. aus beschichteten Verpackungen enthalten. Das möchte ich nicht in meinem Kompost haben.
Zudem haben wir inzwischen einen enormen Bedarf an Verpackungsnaterial (auch durch die Kartons für den Onlinehandel). Hierfür müssen schon Wälder abgeholzt werden. Wenn nun noch weniger Altpapier recycelt werden kann, da es für den Kompost genutzt wird, müssen noch mehr Bäume gefällt werden…
Hat man das nicht immer so gemacht, dass die Küchenabfälle in Zeitungspapier gewickelt wurden und mit auf dem Kompost kamen. Ich mach das auch immer Mal etwas Papier und Pappe dazu geben. ( In der Wurmkiste könnte man ja auch beobachten, wie sehr die Würmer vor allem Pappe liebten 😉 und wie rasend schnell die Pappe und das Papier vollständig zersetzt war) Nur heute wird oft in den Medien davor abgeraten Pappe im Garten zu benutzen, da ja giftige Stoffe darin sein sollen. Extrem farbiges Papier und Glanz benutze ich eh nicht.
Wir haben Hühner und legen auf das Kotbrett Karton und werfen diese nach einer Woche mit dem Kot unterteilt auf unseren großen Komposthaufen. Nach einem halben Jahr wird einmal umgesetzt wobei dann schon fast nichts mehr zu sehen ist.
Das ist die rationellste Methode um viel Kompost für einen großen Selbstversorgergarten bei möglichst wenig Kraft undAufwand (Alter 75.)zu bekommen
Hallo
Ist es nicht so, dass die meiste Pappe bereits x-fach recycelt wurde und damit eine Anreicherung von Farben und Beschichtungen auch in vermeintlich farblosem Karton stattfindet?!?
Lieber Herr Wagner,
wissen Sie, wie man bei Kartons Frischpappe von Recycelter Pappe, welche alles mögliche enthalten kann aus dem Vorprodukt unterscheiden kann? Gibt es Merkmale oder Kennzeichnungen, wie jeder es unterscheiden kann?
Oder gibt es Untersuchungen, dass all die Kleber und Farbstoffe die nach Recycling ja nicht mehr zu sehen sind, von Micro Organismen innerhalb kurzer Zeit unschädlich gemacht werden?
Ich habe immer zuviel Pappe, traue mich bisher nicht sie zu kompostieren aus obigem Grund. Ihre Erde finde ich auch hervorragend, es waren sogar noch einige muntere Regenwürmer darin.
Gute Information. Ich werde sie beherzigen
Das Thema Schadstoffe in der Pappe beschäftigt mich auch sehr. Hier noch ein paar Infos dazu: https://www.don-giardino.com/gartenblog/nodig-gemuesebeete-mit-pappe